Schulschiff Bertha von Suttner, Klasse: 5D
In Wiener Gymnasien gibt es kaum noch Klassen mit ausschließlich deutsch-sprachigen Kindern. In der 5D- Klasse beträgt ihr Anteil gerade noch ein Drittel .
Die SchülerInnen kommen aus ganz verschiedenen Familienverhältnissen, die das Selbstbild, aber auch den Blick auf die anderen reichhaltig beeinflussen.
Die fünften Klassen stellen generell eine schwierige Altersgruppe dar. Die Besonderheit liegt auch an der oftmaligen neuen Zusammensetzung der Klassengemeinschaft, wodurch es zu Auseinandersetzungen und Reibereien kommt. In diesen Momenten, in diesem Alter ist es interessant und wichtig zu wissen oder zu ahnen: wie sehen mich die anderen, wie sehe ich mich?
Aus all diesen Überlegungen ist eine Idee für ein Projekt entstanden. Ruth Mateus erabeitete mit der Fotografin Margarete Neundlinger ein Konzept dazu aus. An einem Infoabend für die KlassenlehrerInnen wurde abgeklärt, wer mitarbeiten, wer sich wo, wann und wie in das Projekt einklinken möchte. Bettina Reysach, die Klassenbetreuerin arbeitete einen Feinplan in Übereinstimmung mit dem Stundenplan aus. Die SchülerInnen sollten über das Fremdbild und das Selbstbild anhand von Übungen und Spielen nachdenken. Sie erhielten anschließend einen Crashkurs über Fotografie und Fotobearbeitung im Fotolabor. Sie sollten nun Fotos von einem/einer Anderen machen. Dieser Projektteil fand in einer Kleingruppenarbeit von je zwei oder drei Schülerinnen oder Schülern mit der Fotografin statt. Darauf folgte ein Crashkurs über digitale Bildbearbeitung von Karl Kühberger. In den folgenden Stunden sollten die SchülerInnen ihr Abbild digital verändern und daraus ein akzeptables Selbstbild entstehen lassen. Der Prozess wurde von Stephan Dober und Roman Wolf im Informatikunterricht dokumentiert und evaluiert.
Beispiel /Dokumentation SchülerInnen:
Ich fotografierte Andreas* auf meinen Wunsch hin auf dem Mistkübel,
als Hintergrund wollte er nämlich den Donauturm haben und da der Mistkübel
davor stand stellte er sich auf ihn. Das erste Foto war also auf dem Mistkübel
und das zweite nahm ich auf, als er gerade vom Mistkübel runter sprang.
Da Andreas* gerade gesprungen war, war das Bild leider ein wenig verwackelt.
Ich durfte mir selbst aussuchen wo ich fotografiert werden wollte, da es Anfangs
noch nicht klar war, das der Künstler selbst über den Standort des
Models entscheiden durfte. Ich finde, dass der Künstler mich gut getroffen
hat. Das Bearbeiten meines Fotos ist mir anfangs etwas schwer gefallen, doch
letztendlich habe ich es auch geschafft.
Als die Fotografin das erste mal zu uns sprach, dachte ich mir "NA DAS KANN
WAS WERDEN". Aber mit der Zeit fing das Projekt an mir zu gefallen. Besonders
gut hat mir das erstellen eines Fotogramms gefallen. Gut hat mir auch das Bearbeiten
meines eigenen Bilds gefallen, da ich viel gelernt habe, wie zum Beispiel das
Rausschneiden, oder das Umkehren, Arbeiten mit Filtern und noch vieles mehr.
Wir haben beim Herm Professor Kühberger gelemt wie wir mit dem Bildbearbeitungsprogramm
Adobe Photoshop umgehen sollen. Wir haben unsere eigenen Bilder so verändem
sollen, dass sie uns selber gefallen. Ich habe das Bild mit Filtem und anderen
Effekten so bearbeitet das es uns gefällt.
Mir gefällt eines meiner Bilder nicht, aber das andere gefällt mir
sehr gut. Ich bin von dem Bild wo ich von dem Mistkübel hinunter springe
begeistert. Denn ich habe die Idee gut gefunden und ich wurde gut getroffen.
*Name von der Redaktion geändert
Bei diesem Projekt wurde auf die fächerübergreifende Zusammenarbeit Wert gelegt.. Das Thema Fremdbild-Selbstbild wurde in Französisch (Rosa Grani), Religion (Andrea Guggenberger), Informatik (Roman Wolf, Stephan Dober), Bildnerische Erziehung (Ruth Mateus, Karl Kühberger), Physik (Claudia Wenzel) und KOKOKO (Bettina Reysach, Ewald Waba) behandelt.
KOKOKO ist ein Schulversuch am Schulschiff. KOKOKO steht für Kommunikation, Kooperation und Konfliktlösung und stellt ein Unterrichtsfach dar, das einmal in der Woche abgehalten wird. Dadurch, dass dieser Schulversuch am Schulschiff läuft, gab es Zeit und Gelegenheit das Projekt zu begleiten: Jede Woche wurde also über die Befindlichkeit und über die Fortschritte bei der Arbeit gesprochen. Die KOKOKO-Betreuung erfolgte von zwei Lehrern: Bettina Reysach und Ewald Waba, wodurch wiederum ermöglicht wurde, auch nach Geschlechtern getrennt zu reflektieren. Auch der Zugang über verschiedene Fächer ermöglichte eine breite Auseinandersetzung mit dem Thema. Auffallend war der unterschiedliche Zugang zum Thema bei Burschen und Mädchen. Dies manifestierte sich besonders bei Wahrnehmung, Verarbeitung und Verhalten.
Für die Fotografin war die Zusammenarbeit und die Überlegungen des Lehrerteams über die einzelnen SchülerInnen bemerkenswert.
Das Projekt war für alle Beteiligten ein interessante und bereichernde Unterrichtserfahrung.
Das gesamte Projekt wurde auf CD digitalisiert und dokumentiert.