Modeschau der 4 C

Am Schulanfang hatte unsere Klasse die Idee, die Produktion einer Modeschau im BE Unterricht umzusetzen. Um die Idee zu verwirklichen haben wir demokratisch abgestimmt.

Zuerst mussten wir uns überlegen, was wir brauchen, wann und wo wir die Modeschau machen und wer was organisiert. Die ganze Klasse beschloss, dass die Mode von ORSAY interessant wäre. Gea und Tanja übernahmen die mühevolle Aufgabe, bei ORSAY an zu rufen.

Frau Prof. Mateus hatte die Idee Leo Oswald von Kids4Fashion wegen Choreographie, Musik und Styling zu fragen. Darauf sagte er zu und schickte uns einen Kostenvoranschlag ATS 22.500,- Wie sollten wir nur so viel Geld auftreiben??? Wer würde uns nur zuhören???

Um Sponsoren zu bekommen, entwarfen Andrea B. und Franziska einen "Schnorrbrief". In Folge dessen mussten sie die Unterschriften von der Direktion, Frau Prof. Mateus und Gea besorgen.

Da Gea sich bereit erklärte, für die Mode zu sorgen, rief sie ca. 10 mal bei ORSAY in Deutschland bei einer gewissen Frau Bringal an. Nach der Zusage von Frau Bringal, musste Gea bei der Filialleiterin von ORSAY in der Millenium City, Frau Muche, anrufen.

Um die Models zu bestimmen haben Tanja, Chrisi und Gea ein Fotoshooting veranstaltet. Dabei wurde auch Maß genommen. Daraus wurden Casting-Sheets gemacht.

Gea traf sich 2-3 mal mit Frau Muche um Genaueres abzusprechen.

Frau Prof. Dörfler sagte uns ATS 3300 ,- vom ÖKS- Kulturbudget zu. Endlich "Money"!!!!!!!!!

Inzwischen haben sich alle Schüler der 4.c die Mühe gemacht Sponsoren zu finden:
Gea kontaktiert ORSAY: JA (im Wert von ca. ATS 20.000,-)
Jasmin fragte ihren Vater..... Ohne Erfolg!!
Marie fragte ihre Mutter..... Ohne Erfolg!!
Judith: Siemens (NEIN), Vater privat: JA (ATS 2000,-) und Lichttechnik für die Modeschau: JA (Fa. Kaltenbäck im Wert von ca. ATS 30.000,-)
Melanie, Andrea B. und Franziska: riefen bei Bezirkszeitung (NEIN) Krone (NEIN) Presse (NEIN) Wiener Kaufmannschaft (NEIN) Industriellen Vereinigung (NEIN) Nokia (NEIN) Kurier (JA) Humanic (KEINE RÜCKMELDUNG) , Andrea und Franzi gingen nach der Schule, ohne Ankündigung, zum Bezirksvorsteher Lehner (ATS 4000,-)
Lena: Raiffeisen (NEIN) Wiener Städtische Versicherung (NEIN)
Tanja: Injectstar (NEIN) ÖKS (mit Sandra und Chrisi) (ATS 3300,-)
Fernwärme Wien (NEIN) Jugendmagazine (NEIN > Feb. Ausgabe)
Denise: Interio (NEIN) KIKA (NEIN)
Sandra: Kosmetikfirma (NEIN) ÖKS, Jugendmagazine (NEIN > Feb. Ausgabe)
Andrea R. (Riefi): Fa. Best Training (JA, ATS 5000,-)
Jenny: Vater (NEIN) Chrisi: ÖKS, Jugendmagazine (NEIN > Feb. Ausgabe), Coca-Cola (NEIN), Vater privat JA (ATS 500 ,-)
Iris: Basler Versicherungen (NEIN), Mutter: (NEIN)
Andrea: BANK AUSTRIA JA (ATS 2000,-)
Mateus: STRÖCK JA (im Wert von ca. ATS 3000,-)
Als Gegenleistung konnten wir anbieten: ca. 3000 Gäste/SchülerInnen, Plakate,
Luftballons, Auflegen von Foldern und Dokumentation auf unserer Schulhomepage.

Am 12. 11. sind wir gleich nach der Schule ins DonauZentrum gefahren, um die Kleidungsstücke für die Modeschau zu probieren. Mit dabei war Snoopy,
unser Makeup-Artist.
Schließlich kam am 19.11. Leo Oswald, der Choreograph, zu uns in die Schule. Nachdem wir den Laufsteg mit Klebeband in der Klasse markiert hatten, wurde Gruppe für Gruppe die Schrittfolge einstudiert.

23.11. GENERALPROBE = Streß für uns (Lena, Chrisi = Berichtschreiber) Probe im Mehrzwecksaal mit Laufsteg *freu* ;o). Eigentlich gab es keine Probleme, aber das beste war die PIZZA, die wir am Schluß der Probe von Frau Prof. Mateus bekommen haben *SCHMATZ*.

Endlich der 24.11 (Tag der offenen Tür!!!!). Alle sind schon um 8 Uhr in der Schule. Snoopy ist um 15 Minuten zu spät gekommen. Weil so viele Models geschminkt werden mussten, hat die 1. Modeschau 20 Minuten später, als angekündigt, angefangen. Schön langsam wurde die Nervosität im Raum spürbar. Auch Snoppy wurde nervös, als Gea ihm sagte, dass die erste Modeschau schon um 10:15 Uhr angesetzt war und nicht erst um 11 Uhr. Daraufhin wurde er sehr blass. Als die Modeschau endlich begann und die Direktorin die Eröffnungsrede hielt, wollten ein paar Models vor lauter Lampenfieber nicht auf den Laufsteg. Der Mehrzwecksaal war überfüllt und es war ein schönes Gefühl zu wissen, dass alle nur unseretwegen gekommen waren. Für diese langen Vorbereitungen war es eine zu kurze Show , finden wir !! Das von STRÖCK Gespendete schmeckte gut. Leider waren Chrisi, Sandra und Judith die einzigen Models die am Schluß wegräumen geholfen haben. Viele Eltern sagten, vom vielen Klatschen taten ihnen die Hände weh. ALLES IN ALLEM WAR ES EINE GELUNGENE MODESCHAU.
Text: Chrisi und Lena
Dokumentation Text und Video: Chrisi

Modeschau/Subjektive Ruth Mateus

Meistens frage ich die Klassen, die ich unterrichte, am Anfang des Semesters, welche Themen, Techniken und Sujets sie interessieren und lasse sie dann mitbestimmen. Dadurch werde ich von den Kindern inspiriert, kann sie "dort abholen, wo sie gerade sind" , bin selber sehr motiviert und lerne dazu.

Als die 4C mich fragte, ob wir eine Modeschau machen könnten, hatte ich grosse Lust darauf. Die 4C ist eine Klasse, in der wir als LehrerInnenteam Soziales Lernen praktiziert haben und die Selbständigkeit und Motivation der Kinder ist immer schon beeindruckend gewesen. Zudem habe ich schon vor ein paar Jahren eine Modeschau mit einer 2. Klasse mit Mario Soldo (IMOTA-internationale Modetage Wiens)organisiert, die auch ein grosser Erfolg war.

Es ging der Klasse nicht darum, selber Mode zu entwerfen, (vielleicht als Zeichnung), sondern primär um den Produktionsablauf und das Modelling.

Meine Rolle dabei war, sie mit der Geschichte der Mode vertraut zu machen. Hierfür gibt es hervorragende Unterrichtsvorlagen von Prof. Dr. Bönsch. Wir besuchten auch unsere Schulbibliothek, die zum Thema Mode hervorragend ausgestattet ist und sahen uns die DuMont Filme über die Geschichte der Mode, -dokumentiert von Karl Lagerfeld- an. Weiters fertigten die SchülerInnen Skizzen von Kleidungsstücken an sowie Werbeplakate für die Modeschau. Sie fotografierten einander und fertigten Casting-sheets mit allen Massen an. Parallel dazu machten wir einen Organisationsplan. Ich knüpfte den Kontakt zu Leo Oswald, der KidsforFashion organisiert. Er schickte uns einen Kostenvoranschlag in der Höhe von ATS 22.500,-. Anfangs waren die Kinder sehr demotiviert. Es ging vor allem darum, sich nicht vorstellen zu können, wie man so viel Geld auftreiben könnte und auch wer ihnen denn zuhören würde....zur Verwirklichung eines kleinen Traumes.....
Meine Aufgabe sah ich also vor allem darin, sie enthusiastisch anzustecken und zu unterstützen. Ich führte sie darin ein, wie man Telefonmarketing macht und in welcher Form man am Telefon bzw. über Briefe in Kontakt tritt. Aber auch das selbstbewusste Auftreten war ein Thema. Letztendlich unterrichtete ich Kulturelles Management in Bildnerischer Erziehung. Wir haben einige unerfreuliche Rückmeldungen erhalten, aber haben nicht aufgegeben. Die SchülerInnen knüpften ihre Sponsor-Kontakte in den BE (Bildnerische Erziehung)-Unterrichtseinheiten, doch ebenso in ihrer Freizeit. Sie wurden mit unserem Schulsekretariat vertraut gemacht, das sie sehr unterstützte und lernten u.a. Faxe abzuschicken und Telefonate zu führen. Frau Hollander kopierte uns die entworfenen Einladungen. Wir tauschten einander über die gehaltenen Gespräche aus, und zwar persönlich, im Unterricht und via email (93 Projektemails!!!) oder Handy und setzten neue Strategien. Ich war laufend von den Erfolgen und Misserfolgen informiert und konnte dadurch immer jeweils intervenieren. Bei den wöchentlichen Erfolgsberichten wurde auch immer heftig geklatscht.

Mich freute auch sehr, wie die Profis - Leo Oswald (Choreographie)und Snoopy (Makeupartist) die Kinder ernst nahmen. Sie verstanden, dass diese 13-Jährigen wirklich selber eine Produktion machten. Der erste grosse Erfolg war, dass eine der SchülerInnen-Gea- die Fa. Orsay für die Modeschau gewinnen konnten. Normalerweise unterstützt Orsay solche Projekte nicht. Sie waren aber beeindruckt von dem Engagement der Kinder. Alle Kontakte: Verhandlungen, Casting-sheets, Fittingtermin, An- und Ablieferungstermin, Werbemittelaustausch bis hin zu einem Vereinbarungsvertrag, den auch die Kinder aufsetzten....liefen über die SchülerInnen der 4C. Wieder ein anderes Team recherchierte nach Medienkontakten in unserer Bibliothek, suchte nach Adressen und Kontakten von Jugendmagazinen und Zeitungen. Sie lernten daraus, dass manche Journalisten sehr schwer erreichbar sind, dass es so etwas wie einen Redaktionsschluss gibt und vieles mehr. Die Sponsorkontakte liefen zuerst über die Familien. Eltern und Grosseltern wurden befragt und manche mit grossem Erfolg. Letztendlich haben sich alle um Sponsorgelder bemüht, sogar der andere Teil der Klasse, der nicht von mir in BE unterrichtet wird. Die Sponsoren nahmen dann Kontakt mit mir auf "......wie mit Schülerin......besprochen,....sende ich ihnen nun die Bestätigung des Sponsorbeitrages in der Höhe von.....mit einem Firmenlogoattachement." Nach und nach gab es Zusagen und wir konnten den Choreographen verständigen. Wir hatten noch nicht das ganze Geld und mussten nachfragen, was um weniger Geld trotzdem noch möglich wäre. Dadurch kamen weniger Proben zustande. Nachdem wir von Orsay die Kollektionen erhielten, gab es ein Fitting der Kleidung bei Orsay im Donauzentrum.

Snoopy kam auch zu dem Termin und beriet die SchülerInnen bezüglich Frisuren, Schuhen und Schmuck..... Anschliessend erfolgten zwei "Trockentrainings" mit fiktivem abgeklebten Laufsteg am Klassenparkett. Selbst der Entwurf für die Gestaltung des Laufsteges wurde von den SchülerInnen überlegt, modelliert und mit Leo Oswald abgesprochen. Die SchülerInnen wiederum besprachen das Laufstegkonzept mit den Schulwarten, die dieses -liebenswürdiger Weise -sogleich umsetzten. Bezüglich der Musikanlage kontaktierte ich meinen Kollegen Franz Ruttner, der mir gerne zusagte und mir ältere SchülerInnen zum Aufbau/Abbau und zur Bedienung bei Proben und Aufführung zur Verfügung stellte. In einem Gespräch über die Proben bot mir eine andere Musikkollegin, Barbara Kiermayr, an, Atemübungen mit den SchülerInnen zu machen. Herr Szelestey, Judith´s Vater organisierte Lichtanlage und Nebelanlage sowie Side-effects (Fa. Kaltenbäck) und der andere Teil der Klasse, den ich eben nicht unterrichte, kam - sogar abends - um beim Transport und bei der Justierung zu helfen. Die Aufregung stieg. Am Tag der offenen Tür nun kamen alle überpünktlich und ebenfalls früher als der normale Unterricht begann, montierten Werbeplakate......informierten neugierige Eltern über das Projekt und beworben die beiden Modeschauen. Die Eltern und zukünftigen SchülerInnen konnten auch beim Make-up zusehen. Manche Sitzplätze wurden für unsere Sponsoren reserviert. Der Saal war mehr als überfüllt und die erste Modeschau begann etwas verspätet. Die erste Modeschau war für unsere Gäste und die zweite für Gäste UND von der 4C eingeladene Klassen des Schulschiffs. Insgesamt verlief alles ziemlich perfekt. Bei der Moderation wurde nicht vergessen wirklich ALLEN zu danken, die uns in irgendeiner Art und Weise geholfen haben und ich wurde mit einem wunderschönen Blumenstrauss überrascht. Die SchülerInnen feierten dann noch mit Kindersekt in Sektgläsern und Brot und Krapfen (sponsored von Fa.Ströck) ihren Erfolg. Das Projekt wurde von den SchülerInnen dokumentiert, Fotos eingescannt und die Videodokumentation für alle Involvierten kopiert.

Wie es mir dabei ging/Was ich gelernt habe: Ich bin zutiefst berührt zur Seite gestanden und habe die Selbständigkeit der SchülerInnen bewundert. Ich habe gemerkt wie stolz sie auf sich selbst waren, das alles selbst auf die Beine gestellt zu haben.. Ich habe wieder einmal erleben dürfen, wie schön es ist zu unterrichten und mit Kindern zu arbeiten, dass wenn man an etwas glaubt, etwas gelingt, dass Bildnerische Erziehung eine grosse Bandbreite an Möglichkeiten bietet. Ich habe mich sehr unterstützt gefühlt von Direktorin. Mag. Judith Kovacic, SchülerInnen, KollegInnen, Schulwarten, Sekretärinnen, den KünstlerInnen, den Eltern der 4C, den Sponsoren. (Fa. Kaltenbäck, Bank Austria, ÖKS, Fa. Ströck, Fa. Orsay, Best Training, Bezirksvorsteher Lehner und den Privaten) Ich glaube, dass die SchülerInnen durch dieses Projekt für ihr Leben einiges mitnehmen werden. Es ist letztendlich doch aussergewöhnlich, dass 13-Jährige Kinder 60.000ATS in Bar- und Materialspenden aquirieren.

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, bei freiwilligen Überstunden ( bei Proben) Essen und Trinken bereitzustellen. Ich weiss jetzt, dass Dokumentationen manchmal länger dauern.

Und ich möchte hier noch einmal wirklich ALLEN herzlich danken. Nicht zuletzt auch Koll. Pacher, der dies alles auf unsere Homepage bringt....

Mag.art. Ruth Mateus