Unmittelbar nach der Schiffstaufe im Jahr 1995 wurde dieser Schulversuch ins Leben gerufen. Die Direktorin/Kapitänin des Schulschiffs wollte damals nicht nur personelle neue Wege beschreiten, sondern auch die pädagogische Ausrichtung grundlegend neu denken. Schule sollte mehr sein als Wissensvermittlung – sie sollte ein Ort sein, an dem Menschen miteinander wachsen, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft gestalten.

Gemeinsam mit der Schiffscrew wurde ein Programm entwickelt, das die Grundlage für eine starke und respektvolle Schulgemeinschaft bilden sollte. Im Zentrum standen dabei klare Werte:

  • Die Entwicklung individueller Kompetenzen in der Gemeinschaft,
  • die Garantie der Würde jeder einzelnen Person,
  • die Förderung sozialer Kompetenzen unserer Schüler:innen sowie
  • Geschlechtergerechtigkeit.

    Ebenso wichtig waren
  • Konfliktbewältigung und Gewaltprävention,
  • die Entfaltung der Persönlichkeit durch kreatives Tun sowie eine
  • Vielfalt an Lehr- und Lernformen. 

    Wir wollten
  • selbständiges Denken und selbstverantwortliches Handeln fördern. Unsere Schüler:innen sollten
  • lernen, gesellschaftliche Machtverhältnisse und Strukturen zu durchschauen und als veränderbar zu erkennen.

Um diesen Zielen auch außerhalb des klassischen Unterrichts einen festen und sichtbaren Platz zu geben, entstand der Schulversuch KOKOKO. Mit bewusst auf 45 Minuten verkürzten Unterrichtseinheiten – statt der üblichen 50 Minuten – wurde im Stundenplan Raum geschaffen, der diesen Inhalten den Stellenwert gibt, den sie verdienen.

Doch wofür steht KOKOKO eigentlich?

Die KOKOKO-Stunde gehört inhaltlich den Schüler:innen. Sie bietet ihnen Raum für ihre Anliegen, Fragen und Themen. Methodische Impulse kommen meist von den Lehrkräften – doch im Mittelpunkt stehen die jungen Menschen und ihre Erfahrungen im Schulalltag.

Die drei KO’s stehen dabei für drei zentrale Fähigkeiten:

Kommunikation – die Grundlage jeder funktionierenden Gemeinschaft. Hier lernen Schüler:innen, Werte auszusprechen, zuzuhören, auszutauschen, zu diskutieren und miteinander Lösungen zu entwickeln.

Konfliktkompetenz – die Fähigkeit, soziale Konflikte anzusprechen, konstruktiv auszutragen und das im Konflikt liegende Entwicklungs- und Wachstumspotential zu erkennen. Konflikte werden nicht verdrängt, sondern als Chance verstanden, Gemeinschaft zu stärken.

Kooperation – der Raum und die Zeit, um gemeinsam geplante Ideen auch umzusetzen. Hier werden aus Gesprächen Handlung und aus Ideen gemeinsames Tun.

In den KOKOKO-Stunden lernen unsere Schüler:innen nicht nur soziale Kompetenzen – sie leben sie. Sie wachsen in einem Schulklima auf, das vom Miteinander, vom offenen Dialog aller Schulpartner:innen und vom Respekt füreinander getragen wird. Damit bildet diese Arbeit eine wichtige Grundlage für eine lebendige demokratische Gesellschaft.

Ein weiterer entscheidender Baustein dieses Schulversuchs ist das Teamteaching. Die 45-Minuten-Struktur ermöglicht es, dass Lehrkräfte gemeinsam im Unterricht arbeiten. In den KOKOKO-Stunden ist es Standard, dass eine Lehrerin und ein Lehrer gemeinsam mit den Schüler:innen arbeiten. Auch im Fachunterricht wird Teamteaching genutzt, um Schüler:innen individueller zu fördern, unterschiedliche Perspektiven einzubringen und Lernen noch besser zu begleiten.

All dies wurde durch die Umstellung von der 50- auf die 45-Minutenstunde möglich.

Durch die Anpassung der Unterrichtseinheit von 50 auf 45 Minuten entsteht für jede Lehrperson eine zeitgemäße und effizientere Struktur des Unterrichts. Die dabei gewonnenen 5 Minuten pro Einheit gehen nicht verloren, sondern werden gezielt wieder in zusätzlichen Unterricht investiert.

Auf diese Weise bleibt die Gesamtunterrichtszeit insgesamt gleich, wird jedoch noch wirksamer genutzt und schafft zusätzliche Möglichkeiten für individuelle Förderung, Zusammenarbeit und qualitative Unterstützung im Unterricht.

Nun jedoch soll mit dem Schuljahr 2027/28, nach 33 erfolgreichen Jahren, dieser Schulversuch beendet werden. Mit der Rückkehr zur 50-Minuten-Stunde würden KOKOKO und Teamteaching wegfallen – und damit ein pädagogisches Konzept, das Generationen von Schüler:innen geprägt hat.

Doch noch gibt es die Möglichkeit, auf diese erfolgreiche Unterrichtsform aufmerksam zu machen und für ihren Erhalt einzutreten. Wie schon in alter und bewährter Tradition wollen wir diesen Weg gemeinsam mit unseren Schulpartner:innen gehen.

Gerade in einer Zeit, in der neue Krisen und Kriegsschauplätze entstehen, demokratiegefährdende politische Bewegungen erstarken und große gesellschaftliche Herausforderungen vor uns liegen, brauchen junge Menschen mehr denn je Orientierung, Dialogfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Unsere drei KO’s – Kommunikation, Konfliktkompetenz und Kooperation – geben ihnen genau jene Werkzeuge in die Hand, die sie brauchen, um diese Zukunft aktiv, kritisch und solidarisch mitzugestalten.


KOKOKO ist nicht nur ein Schulversuch.
Es ist eine Haltung.
Eine Vision von Schule.
Und ein Beitrag zur Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft.